Musikstadt Leipzig
Studien und Do­kumente
Schriftenreihe, hg. von Thomas Schinköth

Leipzigs lange Geschichte ist in besonderer Weise mit Musik und Musikern verbunden. Hier wirkten Musiker wie Bach, Wagner, Mendelssohn, Schumann, Reger, Furtwängler, Mahler und Weill. Thomanerchor und Gewandhaus besitzen Weltruf. Trotz eigenständiger Forschungsinstitute und einer Fülle von Publikationen über die Musikstadt sind Defizite nicht zu übersehen, die vor allem Höhepunkte und Krisen der jüngeren Musikentwicklung betreffen. Bei diesen "weißen Flecken", die das Leben, nicht die Fassaden ausmachen, setzt die Schriftenreihe Musikstadt Leipzig an.

..... in Planung für 2008........

Band 6:
Milosevic, Christin: Robert Köbler (1912-1970) und die Leipziger Universitätskirche; 978-3-932696-75-6; ca 180 S., ca. 29,00 Euro (erscheint Februar 2008)

„Sagen Sie bloß, da ist `ne Orgel drin!“ Mit diesen Worten reagierte Chefarchitekt Hermann Henselmann, als ihn der Organist Robert Köbler beschwor, sich für eine Rettung der Orgeln in der Leipziger Universitätskirche St. Pauli einzusetzen. Am 30. Mai 1968 um 10 Uhr wurde das Gotteshaus gesprengt. Tausende Leipziger standen am Augustusplatz, ohnmächtig vor Wut, dass ein solch barbarischer Akt mitten im Frieden geschehen konnte.
Mit der Sprengung der Paulinerkirche wurde der Universität ihr kulturelles Zentrum genommen. Theologische Fakultät, Studentengemeinde und Universitätschor verloren ebenso ihre traditionsreiche Wirkungsstätte wie Robert Köbler. 1949 war er zum Universitätsorganisten berufen worden. Seitdem hatte er das musikalische Leben in der Kirche maßgeblich geprägt und weit über Leipzig hinaus Beachtung gefunden.
Seit den späten fünfziger Jahren verschärfte sich das politische Klima zunehmend. Studenten und unangepasste Lehrkräfte gerieten mehr und mehr unter Druck. Die Zwangsemeritierung von Ernst Bloch zeugte von dem ideologischen Wind, der auch den Literaturwissenschaftler Hans Mayer veranlasste, 1963 im Westen zu bleiben.
Dem Wirken Robert Köblers ist mit diesem Band erstmals eine eigenständige Monografie gewidmet. Darin fügen sich zahlreiche Dokumente aus öffentlichen und privaten Archiven sowie Zeitzeugen-Aussagen zu einem bewegenden Zeitbild.



Band 7:
Gerhardt, Elena: Recital. Die Memoiren der Leipziger Sängerin Elena Gerhardt (1863-1961), übersetzt, kommentiert und herausgegeben von Jutta Raab Hansen, 978-3-932696-76-3; ca. 250 S., ca. 35,00 Euro (erscheint Mai 2008)

Elena Gerhardt wurde am 11.11.1883 in Leipzig-Connewitz geboren. Noch als Studentin am Leipziger Konservatorium von Arthur Nikisch entdeckt, avancierte sie zu einer der bedeutendsten Liedersaengerinnen (Mezzo-Sopran) in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Konzertreisen führten sie vor und nach dem Ersten Weltkrieg durch Europa und wiederholte Male in die USA und Kanada. Nach der Verhaftung ihres Mannes Fritz Kohl (Direktor der Mitteldeutschen Rundfunk AG [MIRAG]) durch die Nazis ging sie im Oktober 1934 ins Exil nach London. Kohl folgte ihr nach seiner Freilassung einige Monate später. Aufgrund ihrer ständigen Präsenz in britischen Konzertsälen (seit ihrem Debüt 1906) wurde London schon bald ihr zweites Zuhause. Dort setzte sie ihre nahezu von Beginn an auf Schallplatten dokumentierte Karriere fort. 1947 nahm sie Abschied vom Konzertpodium und widmete sich fortan ihren Schülern. Gerhardt kehrte nie wieder nach Deutschland zurück und starb am 11.1.1961 in London. Ein Nachlass fand sich bisher nicht.
1953 veroeffentlichte Elena Gerhardt in London ihre Memoiren "Recital" in englischer Sprache. Erstmals liegt das umfangreiche und sehr persönliche Dokument erlebter Musikgeschichte in deutscher Sprache vor, das die gesamte erste Hälfte des 20. Jahrhunderts umfasst: übersetzt, mit Kommentaren versehen und herausgegeben von der Musikwissenschaftlerin Jutta Raab Hansen. Sie folgte in London und anderswo den Spuren der Leipziger Sängerin, befragte Zeitzeugen und besuchte Archive.
Inhalt: Vorwort von Myra Hess – Kindheit – Lehrjahre - Leipziger Konservatorium 1900-1914 - Der Beginn meiner Karriere - Meine ersten Begegnungen mit großen Künstlern - 1905-1906: Operndebüt - Debüt in London - Englands Musik-Publikum - Berühmte Konzertgesellschaften - Russland – vor 1914 - Mein Debüt in den USA - Europa 1913-1914 - Der Erste Weltkrieg - Wieder Amerika - Deutschland 1918 - Spanien und die USA, 1919-1920 - Nikischs Tod - Ich beginne zu unterrichten – Heirat - Unterricht in London - National-Galerie-Konzerte - Die späten Kriegsjahre - 40. Jubiläumskonzert - Promenadenkonzert-Gesprächskreis - Pablo Casals kehrt zurück - Gerald Moore - Mein Ruhestand und der Tod meines Mannes - Ein glückliches Leben – Epilog - Elena Gerhardt und die Gramophone von Desmond Shawe-Taylor - Index

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.....bisher erschienene Bände ......

Band 1:
N.N.

Band 2:
Seidel, Katrin: Carl Reinecke und das Leipziger Gewandhaus; 978-3-928770-84-2; 284 S., Hamburg 1997; 25,00 Euro



Mit 35 Jahren war der Dirigent, Komponist, Pianist, Publizist und Musikpäd­agoge Carl Reinecke der am längsten amtierende Kapellmei­ster des Gewandhauses. Seine vermeintlich "konservative" Gei­steshaltung wird ihm bis heute in der Mu­sikgeschichte vorgeworfen.
Mit der vorliegenden Arbeit, in der bisher vernachlässigte Quellen be­rück­sich­tigt werden, entsteht ein differenziertes Bild von Reineckes Wirken, in dem auch das vielschichtige Bedingungsgefüge des Leipzi­ger Musiklebens berücksichtigt wird.

Band 3:
Schinköth, Thomas (Hg.): Sigfrid Karg-Elert und seine Leipziger Schüler. Die Refe­rate des Kolloqui­ums vom 1. bis zum 3. November 1996 in Leipzig, veranstaltet von der Internationalen Karg-Elert-Gesellschaft; 978-3-928770-85-9; 212 S., Hamburg 1997; 25,00 Euro



Sigfrid Karg-Elert gehört zu den bedeutend­sten und am stärksten mißverstan­de­nen Persönlichkeiten des Leipziger Musiklebens im 20. Jahr­hundert. Seine Aufge­schlossen­heit für die Moderne und einen in­ternational geprägten Kulturbegriff un­terschied ihn als Kompositions­lehrer am Landes­konservatori­um Leipzig von Zei­tgenossen, die im Namen einer "deutschen Musik" wirkten. Außerge­wöhnlich wa­ren sein Interesse für das Kunstharmonium und seine musiktheoreti­schen Leistungen (u.a. Polari­sti­sche Klang- und Tonalitätslehre). Der Band vereint Beiträge über das kompo­sitorische und musik­theoretische Wir­ken Karg-Elerts und einiger seiner Schüler (Fritz Reuter, Paul Schenk, Jo­hannes Weyrauch, Willy Burkhard).

Band 4:
Rosenmüller, Annegret: Carl Ferdinand Becker (1804-1877). Studien zu Leben und Werk; 978-3-932696-19-0; 216 S., Hamburg 2000; 25,00 Euro



Bei intensiver Beschäftigung mit der Musikgeschichte Leipzigs in der ersten Hälfte des 19. Jahrhun­derts wird man wiederholt einer Persönlich­keit begegnen, deren Leben und Schaffen im Mittelpunkt dieser Untersu­chung steht: Carl Ferdinand Becker (1804–1877). Bis in die Gegen­wart finden sich nur wenige Aufsätze und verstreute Äußerun­gen zu Leben und Werk des Organisten, Musikschrift­stellers, Komponisten und Pädagogen. Dabei ist vor allem seine Bedeutung als Sammler wertvoller Handschriften und Drucke sowie als Musikbibliograph heute unumstritten.
Die vorliegende Arbeit füllt endlich diese musikgeschicht­liche Lücke. Die Autorin vermittelt ein pla­stisches Bild von der viel­seitigen Persönlichkeit Beckers und wird damit ihm und seiner Rolle im Leipziger Musikleben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gerecht.

Band 5:
Hilmes, Oliver: Der Streit ums "Deutsche". Alfred Heuss und die Zeitschrift für Musik; 978-3-932696-43-5; 136 S., 35,00 Euro (vergriffen)


Im Mittelpunkt dieses Buches stehen der Musikschriftsteller Alfred Valentin Heuß (1877-1934) und die Zeitschrift für Musik. Heuß war als einer der prominentesten und einflussreichsten Musikjournalisten der Weimarer Republik Hauptschriftleiter des Leipziger Traditionsblattes. In dieser Funktion war er geistiger Anführer der Antimoderne, der vehement gegen die avantgardistischen Erscheinungsformen der Neuen Musik zu Felde zog. Heuß gehörte zu jenen Konservativen, die am Ende der Weimarer Republik in Hitler und der NSDAP ihre Hoffnungen setzten. Mit ihnen wollten sie eigene politisch-gesellschaftliche Konzeptionen realisieren.
Im Rahmen einer detaillierten Monographie beschreibt der Autor die sukzessive Radikalisierung Heuß’ und anhand der Zeitschrift für Musik die politische Vereinnahmung von Musik am Ende der Weimarer Republik. 




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