Verdrängte Musik.
NS-verfolgte Komponisten und ihre Werke.
Schriftenreihe hg. im Auftrag von musica reanimata -
Förderverein zur Wiederentdeckung
NS-verfolgter Komponisten und ihrer Werke -
von
Hans-Günter Klein
(ab Band 16 von Albrecht Dümling)
In den zwölf Jahren des
"tausendjährigen Reichs" schrieben die Nazis mit Verordnungen und Verboten die
Musikgeschichte um, leugneten den Anteil jüdischer Musiker am deutschen
Musikleben oder stellten ihn als schädlich dar. Interpreten und Komponisten
wurden aus Deutschland und schließlich sogar aus Europa vertrieben oder in
Konzentrationslager verschleppt und ermordet - ihr Werk vernichtet, in der
Nachfolge der Vergessenheit ausgeliefert. Der Verein musica reanimata hat es sich zum Ziel
gesetzt, an diese Komponisten zu erinnern, ihre Werke in das öffentliche
Konzertleben zu integrieren. Wenigstens posthum soll den Komponisten der ihnen
gebührende Platz in der Musikgeschichte gegeben
werden.
Der Verein "musica reanimata" betreibt eine Homepage
unter www.musica-reanimata.de, auf die hier ausdrücklich verwiesen wird.
Band 1
der Schriftenreihe erschien im Eigenverlag des Vereins "musica reanimata".
Ab
Band 16 wird die Schriftenreihe von dem in Saarbrücken ansässigen Pfau-Verlag
betreut, - siehe hierzu: www.Pfau-Verlag.de.
Band 2:
Klein, Hans-Günter (Hg.): Viktor Ullmann - Materialien; 978-3-928770-40-8; 178 S., Hamburg (2. erw. u. korr. Aufl.) 1995; 25,00 Euro
Hans-Günter Klein: Die Kompositionen Viktor
Ullmanns. Ein Verzeichnis der erhaltenen Quellen. - Viktor Ullmann: Der fremde
Passagier. Ein Tagebuch in Versen. Eingeleitet und hrsg. von Vlasta Benetková
mit Erläuterungen von Jan Dostal. - Viktor Ullmann: Der 30. Mai 1431. Oper in 2
Akten. Textbuch (1944). - Hans-Günter Klein: Verzeichnis der Tonträger von
Werken Ullmanns.
Band 3:
Schultz, Ingo (Hg.): Viktor Ullmann. 26 Kritiken über musikalische Veranstaltungen in Theresienstadt; 978-3-932696-72-5; 140 S., 2te, korrigierte Aufl. Hamburg 2007; 25,00 Euro (erscheint Mai/Juni 2007)
Ullmanns Kritiken gehören zu den
wichtigsten Dokumenten der "Freizeitgestaltung" in Theresienstadt. Bis zu seiner
Deportation nach Auschwitz (1944) hat der Komponist kontinuierlich über das
Musikleben des Lagers berichtet. Die Texte von Viktor Ullmann werden hier
vollständig veröffentlicht, erschlossen durch Kommentare und Interviews mit
Zeitzeugen und Überlebenden, ein Verzeichnis der aufgeführten Kompositionen, ein
Lexikon der 76 von Ullmann erwähnten Theresienstädter Musiker und ein
Namensregister.
Band 4:
Schultz, Ingo:
Die verlorenen Werke Viktor Ullmanns im Spiegel zeitgenössischer
Presseberichte. Bibliographische Studien zum Prager Musikleben in den
zwanziger Jahren; 3-928770-10-1; 120 S., Hamburg 1993; 15,50 Euro
(vergriffen)
Von den knapp 20 Kompositionen, die Ullmann zwischen 1920 und 1930 vollendet
hat, ist eine einzige ("Schönberg-Variationen", op. 3a) in einer revidierten
Fassung erhalten geblieben. Über fast alle unter der Naziherrschaft
verlorengegangenen Werke gibt es jedoch mehr oder weniger ausführliche
Aufführungsberichte in der zeitgenössischen Tagespresse und in überregionalen
Musikzeitschriften. Die in diesem Band vorgelegte Auswertung des umfangreichen
biographischen Materials läßt ein lebendiges Bild des vielgestaltigen Prager
Musiklebens in der ersten Dekade der Zwischenkriegszeit entstehen.
Band 5:
Eberle,
Gottfried (Hg.): Erwin Schulhoff. Die Referate des Kolloquiums in
Köln am 7. Oktober 1992 veranstaltet von der Kölner
Gesellschaft für Neue Musik und musica reanimata;
978-3-928770-16-3; 120 S. , Hamburg 1993; 15,50 Euro
Josef Bek: Erwin Schulhoff - Kleine Chronik seines
Lebens
Gottfried Eberle: Einflüsse und Eindrücke - Zum frühen Klavierwerk
Erwin Schulhoffs.
Jeanpaul Goergen: Dadaisierte Musik in Zürich, Berlin und
Dresden.
Tobias Widmaier: "In meinen Eingeweiden kräuseln süsse Kakophonien"
- Erwin Schulhoffs Dadatöne.
Markus Lüdke: Im "Trot" der Zeit - Aspekte der
Jazzrezeption Erwin Schulhoffs.
Josef Bek: Erwin Schulhoff - Leben und Werk.
Ein Forschungsbericht.
Anhang: Aus dem Programmheft des Schulhoff-Konzerts
zum Kolloquium am 7. Oktober 1992 in der Hochschule für Musik, Köln.
Band 6:
Klein, Hans-Günter (Hg.): Gideon Klein - Materialien; 978-3-928770-24-8; 132 S., Hamburg 1994; 15,00 Euro
Gideon Klein darf als der kompositorisch begabteste
jener Komponisten angesehen werden, die in Theresienstadt inhaftiert und in
Auschwitz umgebracht worden sind. Der Band enthält eine Biographie des
Komponisten, Äußerungen von Zeitzeugen, Texte von Gideon Klein und ein Werk- und
Tonträgerverzeichnis.
Band 7:
Widmaier, Tobias (Hg.): Erwin Schulhoff - Schriften; 978-3-928770-26-2; 138 S., Hamburg 1994; 19,00 Euro
Der Band enthält unter anderem bisher unveröffentlichte Schriften Schulhoffs:
Der mondäne Tanz - Der neue Klavierstil. - Paraphrase über Herrn Strawinsky.
Saxophon und Jazzband. - Eine Jazz-Affaire.
Band 8:
Bek, Josef: Erwin Schulhoff. Leben und Werk.; 978-3-928770-27-9; 268 S., Hamburg 1994, 25,00 Euro
Der Prager Pionier der Schulhoff-Forschung, Josef Bek, legt mit diesem Band die
erste selbständige Monographie über den Komponisten Erwin Schulhoff vor. Sie ist
Ergebnis jahrelanger Archivforschungen, enthält Werkerläuterungen und ein
umfassendes Werkverzeichnis.
Band 9:
Peduzzi, Lubomir: Pavel Haas. Leben und Werk; 978-3-928770-28-6; 248 S., Hamburg 1996; 25,00 Euro
Pavel Haas, in den neunziger Jahren vor allem durch seine "Vier Lieder nach Worten chinesischer
Poesie" wieder bekannt geworden, war als Schüler Leos Janáceks einer der führenden
Komponisten in Brünn.
Peduzzi, Schüler von Haas, legt hier die erste
selbständige Monographie über den Komponisten vor. Der Band enthält Werkanalysen
und ein Werkverzeichnis.
Band 10:
Goldschmidt,
Berthold: Komponist und Dirigent. Ein Musiker-Leben zwischen Hamburg,
Berlin und London. Hrsg. v. Peter Petersen in Zus.-Arb. mit d.
Arbeitsgruppe Eilmusik am Musikwissenschaftlichen Institut der
Universität Hamburg; 978-3-928770-39-X; 214 S., Hamburg, 1994 (Erste
Auflage vergriffen; 2te, korr., erw. Neuauflage 2003, siehe
„Musik im ‚Dritten Reich‘ und im Exil, Band 7)
Band 11:
Widmaier, Tobias
(Hg.): Zum Einschlafen gibt's genügend Musiken. Die Referate des
Erwin-Schulhoff-Koloquiums in Düsseldorf im Mai 1994;
978-3-928770-41-5; 142 S., Hamburg 1995; 19,00 Euro
Josef Bek: Erwin Schulhoff und Prag
Eckhard John:
"all art is useless..." (über Schulhoffs antibürgerliche Kunstauffassung, die
ihm den Vorwurf des "Musikbolschewismus" eintrug)
Albrecht Riethmüller: Erwin
Schulhoffs Vitalisierung der Musik durch Tanz und Jazz
Markus Lüdke: "strange
sounds emanating from the piano..." Überlegungen zur Jazzrezeption an Schulhoffs
Toccata sur le Shimmy "Kitten on the Keys" de Zez Confrey
Michael
Kube: Zwischen Tradition und Foxtrott. Erwin Schulhoffs Werke für
Streichquartett
Wolfgang Rüdiger: Vielfalt und Einheit. Analytische
Überlegungen zu Erwin Schulhoffs Divertissement für Oboe, Klarinette und
Fagott
Mikulas Bek: Erwin Schulhoffs Oper Flammen - Eine
Entstehungsgeschichte
Jaromir Havlik: Schulhoffs Freiheitssymphonie
(6. Symphonie, 1941)
Tobias Widmaier: "Kein anderer Komponist wurde bisher
von der Universal-Edition so berücksichtigt wie Sie..."
Michael Rische:
"Kunst ist: Kunst nicht zur Kunst zu machen!" Anmerkungen zu Erwin Schulhoffs
Konzert für Klavier und kleines Orchester (1923).

Band 12:
Klein, Hans-Günter (Hg.): Viktor Ullmann
- Die Referate des Ullmann-Symposions anläßlich des 50.
Todestags, 14.-16. Oktober 1994 in Dornach und ergänzende Studien;
978-3-928770-63-7; 148 S., Hamburg 1996; 12,00 Euro
Ingo Schultz: Wege und Irrwege der
Ullmann-Forschung
Robert Kolben: Viktor Ullmann und die
Anthroposophie
Bella Shomer Zeitchik: Bilder aus
Theresienstadt
Hans-Günter Klein: Ullmanns Theresienstädter Kompositionen.
Werkgestalt und Kompositionsprozesse
David Bloch: Viktor Ullmann's Yiddish
and Hebrew Vocal Arrangements in the Context of Jewish Music Activity in
Terezin
André Meyer: Peter Kiens Libretto zum "Kaiser von Atlantis" - ein
Text voller Anspielungen / Viktor Ullmann und die asiatische Kunst. Einflüsse
des traditionellen japanischen Nô-Theaters auf die Gestaltung des "Kaiser von
Atlantis"
Michael Kraus: Die Abschiedsarie des Kaisers im "Kaiser von
Atlantis" und ihre verschiedenen Fassungen
Vlasta Benetková: Viktor Ullmanns
"Slawische Rhapsodie"
Band 13:
Schinköth,
Thomas: Musik - das Ende aller Illusionen? Günter Raphael im
NS-Staat; ISBN 978-3-932696-79-4; 192 S., 2. Auflage, Neumünster 2010, 19,80 Euro
mehr Informationen, siehe ===>
Günter Raphael, am 30.
April 1903 in Berlin geboren, lehrte Kompositionen an verschiedenen
Musikhochschulen in Deutschland. Der begabte Komponist schrieb fünf Sinfonien,
geistliche Chorwerke, Kammermusik und Lieder. Nach dem Zweiten Weltkrieg
unterrichtete er in Duisburg, seit 1957 an der Kölner Musikhochschule. Raphael
verstarb am 19. Oktober 1960 in Herford.
Sein Leben ist mehrfach von
Tragik gekennzeichnet. Noch 1933 als "große und seltene Hoffnung für die Zukunft
der deutschen Musik" gewürdigt, wurde er 1934 als "Halbarier" von seiner
Lehrposition am Leipziger Konservatorium verdrängt. Fortan stand sein Leben in
einem folgenreichen Spannungsfeld von Restriktionen und Zugeständnissen. Aber
auch nach 1945 konnte der in Berlin ausgebildete Musiker nur bedingt Anerkennung
finden, war er doch nicht bereit, sich unkritisch dem Geist der Nachkriegszeit
anzuschließen.
Ausgehend von umfangreichen
Quellenstudien beschreibt der Autor Raphaels mehrjährige Kraftproben mit den
Behörden des NS-Staates und seine Auseinandersetzungen mit maßgeblichen
Zeitgenossen des Musiklebens. Erhellt werden Hintergründe und Auswirkungen einer
ausnahmsweise gewährten, zeitweiligen Mitgliedschaft in der Reichsmusikkammer,
Grenzen und Möglichkeiten einer beschränkten Berufsausübung und die vergeblichen
Versuche, in England und Finnland eine neue Existenz aufzubauen.
Nach knapp eineinhalb
Jahrzehnten ist die erstmals 1996 von Thomas Schinköth veröffentlichte
Monographie über Raphael in 2. Auflage wieder lieferbar. Thomas Schinköth geht
in seiner Untersuchung auch auf die Entwicklung und Rezeption von Raphaels
Schaffen zur Zeit der "Weimarer Republik" und nach 1945 ein. Grundsätzliche
Betrachtungen zum Œuvre des Musikers ergänzen die Studie.
In den Text chronologisch eingereiht sind kurze
Beschreibungen einiger Werke, darunter die folgenden:
Streichquartette C-Dur
op. 9 und A-Dur op. 28; 1. Sinfonie a-moll; Requiem g-moll für Soli, zwei
gemischte Chöre, Orchester und Orgel op. 20; Te Deum für Soli, achtstimmigen
gemischten Chor, Orchester und Orgel op. 26; Psalm 104 für zwei sechsstimmige
gemischte Chöre a capella op. 29; Motette "Vom jüngsten Gericht" op. 30,1;
Motette "Vom rechten Glauben" (1937); Konzert d-moll für Orgel, 3 Trompeten,
Pauken und Orchester op. 57; Sinfonische Suite für Sopran und Orchester nach
Worten von Hermann Claudius (1942); Sonate für Orgel op. 68; "Das
Glaubensbekenntnis" für zwei gemischte Chöre, Orchester und Orgel op. 64; 6
Galgenlieder für Chor a capella nach Christian Morgenstern op. 78.
Diejenigen,
die in der NS-Zeit lediglich ‚von oben‘ aufoktroyierte künstlerische Dürrejahre
und kurzlebige politische Radikalisierungen erblicken, deren Duldung und
Umschiffung selbst als Inhaber öffentlicher Ämter nahezu problemlos möglich war,
können der Schrift a priori nicht allzuviel abgewinnen. Für alle ernsthaft an
der Aufarbeitung der NS-Geschichte und ihren Nachwirkungen Interessierten dürfte
dieses Buch allerdings einen Meilenstein darstellen.
Aus einer Besprechung des
GewandhausMAGAZINS zur Erstausgabe.
Band 14:
Klein, Hans-Günter (Hg.): "... es wird der Tod zum Dichter".
Die Referate des Kolloquiums zur Oper "Der Kaiser von Atlantis" von
Viktor Ullmann in Berlin am 4. und 5. November 1995; 978-3-928770-66-8;
120 S., Hamburg 1996; 12,00 Euro
Ingo Schultz: Zur Entstehungsgeschichte von Viktor
Ullmanns "Kaiser von Atlantis"
Jan Dostal: Stoffverwandtschaften in den Opern
"Der Kaiser von Atlantis" und "Der Sturz des Antichrist"
Karl Braun: Peter
Kien - Annäherung an Leben und Werk
Winfried Radeke: Das Fragmentiarische im
"Kaiser von Atlantis" - Erfahrungen eines praktisch Aus- und
Aufführenden
Andreas Krause: Zur Edition des "Kaiser von Atlantis"
Antony
Beaumont: Viktor Ullmanns "Der Kaiser von Atlantis" - Probleme der
Instrumentation
Stephan Kopf: Möglichkeiten der Inszenierung des "Kaiser von
Atlantis" - Bemerkungen zu szenschen Aspekten von Viktor Ullmanns Oper.
Band 15:
Schüler,
Nico: Hanning Schröder. Dokumente und kritisches Werkverzeichnis;
978-3-928770-67-5; 200 S., Hamburg; 25,00 Euro
Der Band enthält einen kurzen biographischen Überblick und die Aufzeichnung
eines Gesprächs des Autors mit der Frau des Komponisten, der Cembalistin und
Musikwissenschaftlerin Cornelia Schröder-Auerbach, über ihre und ihres Mannes
Verfolgung während der NS-Zeit. Es folgt ein ausführliches kritisches
Werkverzeichnis. Verschiedene Dokumente, darunter Einführungen aus
Programmheften, Rezensionen und Berichte über Aufführungen von Werken Schröders
sowie über Konzerte des Harlan-Trios (Peter Harlan, Cornelia Schröder-Auerbach,
Hanning Schröder), Bibliographie und Diskographie runden den Band ab.